Samstag, 19. Mai 2012

Tongariro Crossing

 Am Donnerstagmorgen gegen 10 Uhr ging es von Auckland los in Richtung Tongariro-Nationalpark im Zentrum der Nordinsel, um uns dort das Tongariro Crossing vorzunehmen. Auf dem Weg gab es Mittagessen bei McDonalds und einen Kaffee in einem kleinen Ort mit dem schönen Namen "National Park" mit Blick auf den Mt Ngauruhoe.


Kaffeepause mit Ausblick
Bevor wir zum Campingplatz fuhren, machten wir noch einen Stopp am Chateau-Hotel am Fuß des Mt Ruapehu. Oberhalb des Chateau, ca 15 Minuten den Ruapehu hinauf, wurde die Schlacht des "letzten Bündnisses" aus dem Prolog des ersten Herr der Ringe Teils gedreht. Das Chateau ist ein äußerlich wie aus einem Märchen entstammendes Hotelgebäude wodurch es in der Vulkanlandschaft unwirklich und interessant aussieht. Wir gingen kurz hinein und bestaunten die "Lounge" des Hotels von der aus man einen sehr coolen Ausblick auf den Ngauruhoe hat. In dieser Gegend war der Wind sehr stark und auf einer Infotafel im iSight nebenan wurden Stürme mit 80 km/h angesagt - wir zweifelten ob das Crossing für den folgenden Tag eine Gute Idee sein würde. Nun fuhren wir zum Zeltplatz und buchten trotz allem drei Plätze im Bus, der uns am nächsten morgen um 7 zum Start des Walks bringen und um 16:30 am Zielpunkt wieder abholen sollte. Dann baute ich schnell mein Zelt neben dem Camper von Nicole und Daniel auf und nach dem Abendessen in der Campingplatz-Küche wurde der Abend standesgemäß mit ein paar Bier beim Sonnenuntergang beendet.

Blick aus dem Chateau
Nach einer sehr unruhigen Nacht (in einem Zelt direkt an der Strasse kann man sich nachts schonmal über vorbeifahrende Autos erschrecken) in einem Schlafsack der wohl nicht für Temperaturen in 1100 Meter Höhe gemacht wurde, klingelte der Wecker viel zu früh. Schnell ein paar Lagen Kleidung angezogen (bei gefühlten 5 Grad), einen Kaffe getrunken und bereit zur Abfahrt gemacht, saßen wir gegen 6:45 im Bus und fuhren bald los. Nach ca 15 Minuten fahrt kamen wir an unserem Ziel an und starteten den Track. Zuerst ging es eine Zeit lang durch flaches Gelände, zum Schutz der Umgebung z.T. über Holzstege, durch eine spärlich bewachsene Landschaft mit viel felsigem Untergrund. Noch war es sehr kalt da wir im Schatten der Berge liefen.

Far away, lonely mount(ain) Taranaki
Nach einer Stunde machten wir einen Zwischenstopp um uns etwas zu stärken. Nun wurde der Weg ein wenig steiler und bald verließen wir den Schatten der Berge so dass nicht mehr allzuviele Schichten an Textilien, dafür aber jetzt Sonnenmilch Sinn machte. Den beiden anderen fiel auf, das wir am Horizont den an der 120 km entfernten Westküste liegenden, Mt Taranaki sehen konnten - wir hatten einen strahlend blauen Himmel und daher sehr gute Sichtbedigungen ! Gegen 9:30 kamen wir zu dem Punkt des Trackings, von dem aus ein Nebenpfad zum Gipfel des Mt Ngauruhoe (a.k.a. Amon Amarth) abgeht. Laut Beschilderung war hierfür ein Zeitaufwand von 3 Stunden erforderlich, wir waren uns recht sicher, trotzdem den vereinbarten Treffpunkt mit dem Shuttlebus einzuhalten und entschieden uns, nach einer weiteren Stärkung den Gipfel in Angriff zu nehmen.

Aufwärts
Der erste Teil des Weges war noch recht einfach doch der Weg wurde steiler und steiler. Zwischen sandigen Abschnitten mit viel losem Gestein wechselte der Untergrund immer wieder zu festen großen Felsen auf denen man weitaus besseren Halt hatte. Wir kamen nur langsam voran und der von uns aus höchste sichtbare Punkt des Berges, von dem wir nicht sicher waren ob es überhaupt der Gipfel ist, schien kaum näher zu kommen. Irgendwann wurde das graue Gestein rot und später gesellten sich vereinzelte kleine Schneefelder hinzu. Die letzten 15 Minuten des Weges gestalteten sich als besonders schwierig, hier hatte man loses Geröll zu überqueren, das nicht, wie vorher, von sandigem sondern diesmal felsigem Grund unterlegt war, eine sehr wackelige Angelegenheit bei der man oft zusammen mit den Felsen unter seinem Fuß wieder ein Stück abrutschte.

Oben
Nach über zwei Stunden endlich auf dem knapp 2300 Meter hohen Gipfel angekommen hatten wir einen unglaublichen Panorama-Ausblick: Nach Norden, von wo wir kamen, überblickten wir den Tongariro Nationalpark mit seinen Emerald Lakes und dem Blue Lake, in der Ferne dahinter der Lake Taupo. Nach Süden, über den Krater des Vulkans hinweg, war nun auch der benachbarte Ruapehu zu sehen, der höchste Punkt der Nordinsel. An  einigen Stellen traten hier oben kleine Rauchschwaden aus dem aktiven Ngauruhoe.

Aussicht vom Gipfel des Ngauruhoe
Ein Picknick und viele Fotos später wagten wir uns an den Abstieg. Einige unserer Vorgänger hatten uns vorgemacht, dass man anscheinend einen ziemlich sandigen Pfad runterrutschen anstatt klettern und so den Rückweg sehr verkürzen könnte. Die ersten Minuten verliefen gut, man stellte sich seitwärts und ließ sich ein paar Meter rutschen, wobei ein Fuß automatisch im Sand versank und man so abbremste. Bald jedoch kamen mehr und mehr Steine von hinter uns absteigenden Leuten angerollt. Ich war vom sandigen Pfad abgekommen und auf dem nun felsigen Untergrund stoppten die Steine nicht sondern rollten/hüpften mir entgegen. Als mehr als faustgroßer Brocken unaufhörlich auf mich zukam und nur knapp sein "Ziel" verfehlte geriet ich doch in ziemliche Panik und machte mich schnell daran, wieder auf den sandigen Abstiegsweg zurückzukehren wo solche Steinschläge schnell gestoppt werden. Hier verlief der Abstieg, bis auf ein Paar Landungen auf allen Vieren, problemlos. Ein paarmal hielt ich an um meine Schuhe von einer Menge Sand zu befreien. Auch der Abstieg zog sich sehr lange hin.

HDR-Spielerei auf dem Schicksalsberg
Nach einer Weile kam ich in flachere Abschnitte, hatte allerdings mittlerweile Nicole und Daniel, die ich anfangs immer wieder oberhalb von mir sehen konnte, verloren. An der vor einigen Stunden verlassenen Gabelung des Trackings wieder angekommen, versuchte ich mit dem Teleobjektiv einer dort rastenden Frau die beiden auszumachen, war aber leider erfolgslos. Da ich mir nicht sicher war, ob sie diesen Weg oder direkt den Abstieg in Richtung des "Red Crater" machen würden, nahm ich den Weg in Richtung Krater in Angriff. Auf halbem Weg traf ich auf eine Gruppe von Leuten die mir versicherten, dass sie die beiden (nach meiner Beschreibung) gesehen hätte und in ca fünfzehn Minuten hier ankommen müssten, so kam es dann auch. 

Red Crater und Mt Ngauruhoe
Wir waren alle schon ziemlich fertig, hatten allerdings erst ca fünf Kilometer des eigentlichen Crossings hinter uns, so das noch fünfzehn vor uns lagen. Bald stieg der Weg wieder ziemlich steil an und erreichte dann beim roten Krater den höchsten Punkt des eigentlichen Crossings. Ein recht steiler Abstieg brachte uns zu den Emerald Lakes, türkisfarbenen Kraterseen die farblich einen starken Kontrast zur Vulkanlandschaft bilden, ein ganzes Stück weiter lag der Blue Lake, ein weitaus größerer Kratersee. Unsere Wasserreserven waren mittlerweile erschöpft, angesichts der mittaglichen Hitze und fehlenden schattigen Wegabschnitte kein schönes Gefühl. Bis zur nächsten DOC-Hütte, der Ketetahi-Hut, wo es hoffentlich Wasser geben würde, war noch ein gutes Stück zurückzulegen.

Die Emerald Lakes
Der wahnsinnig schöne Anblick aus der Höhe des Tongariro-Nationalparks auf den näher kommenden Lake Taupo entschädigte uns dafür jedoch eine Weile. Irgendwann kamen wir in Sichtweite der Hütte, bis zu der es jedoch entlang der serpentinenartigen Pfade des Bergabhangs noch ein recht weiter Fußweg war. Nich weit von der Hütte war ein in dampfschwaden gehülltes Stück Land zu sehen, ein Maori-Privatgrundstück auf dem die heißen vulkanischen Quellen genutzt werden. Endlich an der Hütte angekommen, füllten wir unsere Wasserflaschen mit dem Wasser was dort in zwei großen Reservoirs lagerte und hinterließen im Gegenzug eine kleine Geldspende. Hier trafen wir auch wieder auf andere Leute, die hier zum Teil einen kurzen Stopp wie wir machten oder auch im Rahmen des Tongariro Northern Cicuits (einer der "Great Walks") in der Hütte übernachten. Nach einer kleinen Ruhepause machten wir uns auf den letzten Abschnitt des Weges der bald durch Urwald führte, ein sehr willkommener Kontrast zur stundenlangen Wanderung durch die Vulkanlanschaft ohne Schatten. 

Maori-Gebiet und Ketetahi-Hut
Circa zwei Stunden später erreichten wir den Parkplatz. Wir hatten mittlerweile 19 Uhr, unser für 16:30 besteller Abholservice war also schon lange weg. Daniel hatte vorher auf dem Weg zum Glück schon einmal eine Handyverbindung zum Campingplatz hinbekommen, so dass man dort Bescheid wusste und niemanden auf die Suche zu uns losschicken musste. Man hatte uns schon Hoffnung gemacht, dass uns auch um eine spätere Uhrzeit noch jemand abholen könnte, also machten wir uns jetzt auf den Weg zur Hauptstrasse wo es auch irgendwann wieder Netzempfang gab und Daniel einen gewissen Hayden ("we've got a Hayden here who can pick you up" ;) ) erreichte der uns dann gegen ein kleines Entgelt abholte. Irgendwie haben wir es dann noch geschafft zu duschen und etwas essbares herzurichten, wenn ich mich recht erinnere haben wir sogar noch das Geschirr gespült ! Anschließend mietete ich mir eine Hütte (am Zelten hatte ich in der Vornacht etwas das Interesse verloren) und fiel völlig zerstört (und glücklich) in mein Bett, den beiden anderen ging es wohl ähnlich in Ihrem Camper !


Donnerstag, 4. Dezember 2008

beijing huan ying ni

bevor ich meinen ägypten-bericht endlich fertigstelle (ja, so ist es tatsachlich immer noch vorgesehen !), mache ich jetzt einen sprung von 10 monaten und 8000 kilometern:
nach vielen arbeitsreichen wochen und trinkreichen wochenenden in haikou bin ich das erste mal von der insel weggekommen und habe 3 tage in beijing verbracht:

nach der ankunft um mitternacht am beijing capital airport hab ich den shuttlebus auf gut glück verlassen und zum platz des himmlischen friedens (tiananmen-platz) duchgefragt. bis ich am suedlichen ende angekommen war (dem sogenannten qianmen = vorderes tor) vergingen knapp 2 stunden die ungewohnt kalt (in haikou sind es nachts noch 20 grad, in beijing ca 5) aber sehr interessant waren (hiermit zitiere ich herrn pietzsch der in einer seiner letzten einträge erwähnte das es immer ein besonderes gefühl sei einen berühmten ort zu besuchen). der platz war um diese zeit abgesperrt und von wachposten und kameras natürlich bestens bewacht. zum tiananmen aber später mehr ...
da ich schwierigkeiten hatte das hostel in den verwinkelten hutongs (ziemlich enge traditionelle chinesische wohnviertel, die wohl jedes klischee von chinesischer architektur erfüllen) sprach ich einen rikscha-fahrer an mit dem ich dann den (viel zu hohen preis) verhandelte zu dem er mich zum hostel fährt, was dann leider geschlossen war ! also mietete ich für die erste nacht erstmal in ein anderes hostel was zwar teuer war, ich dafür aber ein einzelzimmer hatte.

am samstagmorgen wechselte ich dann zum besagten hostel (wer jemals hier sein sollte dem empfehle ich "leo's hostel" - ein bett im dorm nur 50 yuan pro nacht) und machte mich auf den weg zum tiananmen das nur 10 minuten zu fuss weglag. die berühmtesten gebäude auf/am platz sind wohl das tiananmen (tor des himmlischen friedens) mit dem bild maos über dem eingang (bild 1) und maos mausoleum in dem man seinen konservierter leichnam angucken (und auch verehren) kann. da das mausoleum schon geschlossen war machte ich mich auf den weg in die verbotene stadt die hinter dem tor liegt. ein chinese mit dem ich mich lanegere zeit unterhielt schlug mir vor auf dme weg in ein teehaus zu gehen. nachdem uns die traditionellen bräuche des tee zubereitens und trinken gezeigt wurden, durften wir für jeweils 6 winzige tassen umgerechnet 100 euro bezahlen (niemals sich auf etwas in beijing einlassen ohne vorher einen preis ausgemacht zu haben, auch wenn die leute noch so glaubwürdig erscheinen !)
für die riesige verbotene stadt (bild 2) empfiehlt es sich entweder sich einer englischsprachigen reisegruppe anzuschliessen oder sich einen elektronischen führer für ca 4 euro zu leihen.da ich die zusammenhänge der einzelnen dynastien und kaiser nicht behalten habe verweise ich an dieser stelle auf wikipedia oder ähnliche informationsquellen ;)

im anschluss machte ich mich auf den weg zum olympiagelände das nördlich etwas ausserhalb des stadtkerns liegt. beim verlassen des ubahn-schachtes standen schon die ersehnten gebäude mit beeindruckender beleuchtung (es war zum glück schon dunkel) vor mir: das "vogelnest" und die schwimmhalle. leider waren beide schon geschlossen, was mich aber nicht dran hindern konnte die wichtigen "ich war hier"-fotos vor den stadien zu machen (bild 4)!
zum abschluss des tages bin ich zum silk-market gefahren (die ubahnen in beijing sind absolut zu empfehlen und auf jeden fall den teuren taxen vorzuziehen).
auch wenn der name etwas anderes vermuten lässt handelt es sich bei diesem "seidenmarkt" um ein mehrgeschössigen einkaufszentrum das nur aus kleinen ständen besteht an dem einem vom "i climbed the great wall"-shirt über seiden-gewänder bishin zu saddam-feuerzeugen, miniaturen der terrakotta-armee und gefälschte kleidung aller bekannten marken jeglicher ramsch aber auch qualitätsware angeboten wird. ich wurde an JEDEM stand angesprochen und teilweise sogar wortwörtlich in den laden gezerrt (nix für schwache nerven), und bin nach einer stunde mit einigem lustigen zeug (das man sehr weit runterhandeln kann) zurück zum hostel wo ich dann nach einer flasche tsingtao tot umfiel.

aber unerwarteterweise erwachte ich am sonntagmorgen wieder und machte mich auf den weg zu maos mausoleum. dort angekommen erwartete mich natürlich eine lange menschenschlange. da es nicht erlaubt ist einen fotoapparat mitzubringen wurde ich von einem (mir offiziell erscheinenden) chinesen zu einer ein stück weg gelegenen halle geführt wo ich meine sachen abgeben musste. als ich wieder in der schlange stand erfuhr ich das ich dem feinen herrn jetzt 50 yuan schulde, ich hab ihm 25 gegeben und das hat's dann auch getan. vor der halle gab es natürlich noch einen sicherheitscheck wie man ihn vom flughafen kennt und man konnte für den guten alten vorsitzenden blumen käuflich erwerben. ausser mir entdeckte ich nur eine handvoll ausländer in der warteschlange (was auf dem platz des himmlischen friedens schon öfter der fall ist) - das interesse lag also grösstenteils bei den (über maos taten nur unzureichend informierten) einheimischen. besonders gewundert an dem ganzen hat mich eine alte frau die alterbedingt von ihren angehörigen mehr oder weniger zur halle getragen wurde - es schien wie eine art letzte chance für sie den grossen mao endlich mit eigenen augen zu sehen !
im mausoleum (in dem übrigens absolute stille oberstes gebot ist) angekommen führte der weg erst einmal durch einen gedenkraum mit 5 meter grosser mao statue und einem (sich ständig erweiternden) blumenmeer. in der zweiten halle befindet sich eine mit glas abgesperrte zone in deren mitte, wiederum von einem blumenmeer gesäumt, sich der kristallsarg mit maos konservierter leiche befindet. der unterkörper war mit einer roten hammer-und-sichel-flagge bedeckt. aus den ca 6 metern entfernung ist es schwer zu sagen ob es sich bei dem leichnam (dessen gesicht auf jeden fall eindeutig wiederzuerkennen ist) wirklich um mao oder um eine wachsfigur handelt.
schnell wird man in den dritten raum gedrängt in dem man alle erdenklichen mao-souvenirs erwerben kann - wenn ich nur mehr geld dabei gehabt hätte ...
anschliessend ging es zum etwas ausserhalb gelegenen sommerpalast, ein riesiger (fast 300 hektar) grosser landschaftspark mit sehr beeindruckenden bauten (bild 3) und einem riesigen künstlichen see, den der kaiser qianlong um 1750 seiner mutter zum 60ten geburtstag bauen liess.

am frühen montagmorgen setzte ich mich in den bus nach badaling, einen der orte an der chinesischen mauer, ca 80 km nordwestlich von beijing. dies ist der am meisten besuchte mauerabschnitt (für einen weiter entfernteren und einsameren fehlte mir leider die zeit) und daher wird man von zahlreichen souvenir und fress-ständen, sowie einem hollywood-hills-anmutenden "one world one dream" olympia schriftzug empfangen. das laufen auf der mauer war anstrengender als ich erwartet hatte, es geht teilweise extrem steil bergauf und man ist dankbar für jede treppe die zwischendurch eingefügt ist. der ganze aufwand wird aber durch das panorama, was man hier oben zu sehen bekommt, entschädigt: die mauer schlängelt sich kreuz und quer durch das gebirge (bild 5) - wenn man mit der richtigen musik in den ohren die touristenströme ausblendet ist es wirklich unglaublich schön !

als allerletztes ziel in peking suchte ich mir den relativ zentral gelegenen himmelstempel (bild 6) aus, in dem die kaiser der ming- und qing-dynastien (1368-1911) für eine gute ernte beteten. das tempelgelände besteht aus einer grosse parkanlage auf deren wegen man von den laternen mit leiser, an tibetische lama-klöster erinnernde, musik beschallt wurde, wirklich sehr entspannend nach 3 tagen in der hauptstadt ! da ich relativ in eile war guckte ich mir die zum tempel gehörigen gebäude nur noch mit wenig interesse an, hervorgestochen hat allerdings der grossartige name "divine music administration".

und schon ging es weiter zum flughafen und zurück auf meine insel, am nächsten morgen um 9 war arbeiten angesagt ...










Donnerstag, 21. August 2008

tag 8 - unvollendeter obelisk und assuan hochdamm

gegen mitternacht hat unser schiff in assuan angelegt, das wohl vor allem für seinen in den 60er jahren gebauten hochdamm bekannt ist, in dessen folge der nassersee entstand.

zur pharaonenzeit befanden sich hier riesige steinbrüche aus denen unter anderem das nur hier zu findende rosengranit abgebaut und viele tonnen schwere obeliske und andere formationen über den nil bis hin ins ca 750 km entfernte gizeh transportiert wurden. am morgen fuhren wir zum "unvollendeten obelisken" (bild 1), der niemals komplett aus den felsen gelöst wurde. obeliske wurden auf folgende weise "hergestellt": zuerst wurde der umriss in den fels gehauen und an regelmäßigen stellen in diese vertiefungen löcher gebohrt die dann mit holz gefüllt wurden woraufhin das holz mit wasser getränkt wurde und die ausdehnung zu einer "sprengung" der jeweiligen stelle führte. der so nach und nach freigelegte obelisk wurde dann mit langen balken aus seiner grube gehebelt und zu einem schmalen künstlichen nebenarm des nils transportiert so dass er die wasserschneise überbrückte. das boot wurde unter den obelisk gelenkt so das zur zeit des hochwassers das boot angehoben und damit der obelisk transportiert werden konnte. wenn er monate später an seinem ziel ankam, wurde vor grube in dem er letztendlich stehen sollte eine rampe (höher als die steinsäule ) aufgeschüttet die oben waagerecht verlief. sobald der stein oben angekommen war wurde nach und nach der hintere teil der waagerechte hintere rampenteil abgetragen, so dass die säule nach und nach aufrecht in ihr "fundament" gesenkt wurde. der unvollendete obelisk von assuan wäre mit einer länge von 42 metern und einem gewicht von knapp 1200 tonnen der grösste aller zeiten gewesen, leider bildete sich jedoch während der abbauarbeiten ein riss, die arbeiten wurden abgebrochen. es wird vermutet das dieses vorkommniss in der regenschaftt hatshepsuts geschah.

mittags ging es weiter zum schon erwähnten hochdamm(bild 2) , der 1971 mithilfe der sowjetunion fertiggestellt wurde. durch ihn wurde die regulierung des nilstandes möglich und beseitigte damit ein problem was schon (und besonders) im alten ägypten maßgeblich war und die altägyptische kultur stark geprägt hat. (laut aussage eines reiseführers leisten nur 2 der 12 turbinen des integrierten wasserkraftwerkes etwa die hälfte des ägyptischen strombedarfs - wenn jemand es besser bzw genauer weiss, kontaktiert mich bitte :) ). die am hochdamm gewonnene elektrizität wird bis kairo geleitet. der damm staut den nil auf einer länge von 500 km auf, das gestaute volumen bildet den nassersee der bis in den sudan reicht.

anschliessend fuhren wir in einer kleinen gruppe mit einer feluke (ein segelschiff was besonders in assuan zahlreich auf dem nil zu sehen ist, bild 3) durch den hafen von assuan. die nubischen bootsführer sangen während der fahrt traditionelle lieder und boten uns einigen (angeblich von den familien selbst hergestellte) schmuck zum verkauf an - unser erstes positives verkaufs-erlebnis in ägypten, uns wurde nichts aufgezwungen und keiner war unfreundlich wenn man nichts kaufen wollte.

am abend besuchten wir im alleingang den grossen basar von assuan der nun leider von touristen überfüllt war. mittags waren wir schon einmal da gewesen (bild 4) , und dort fast die einzigen nicht einheimischen gewesen, was natürlich dafür sorgte das man an JEDEM stand angesprochen und aufgehalten wird, es macht das ganze aber trotzdem "echter" und interessanter :)

Dienstag, 29. April 2008

tag 7 - der horus-tempel in edfu

nach der nächtlichen passage der schleuse von esna legten wir am frühen morgen in edfu, 100 km südlich von luxor, an. der tempel ist dem falkenköpfigen (bzw falkengestaltigen) gott horus geweiht. an dieser stelle ein abstecher in die altägyptische mythologie:

aus eifersucht auf seinen beliebteren und durch den gemeinsamen vater geb bevorzugten bruder osiris brachte seth diesen um: er fertigte einen sarkophag nach seinen maßen und bei einer feierlichkeit liess er alle gäste probeliegen. als man rausfand das osiris perfekt in den sarkophag passt, liess seth ihn verschliessen und im nil versenken. osiris schwester isis fand den sarg nach langer suche, woraufhin seth die leiche seines bruders in vierzehn teile zerstückelte und in ganz ägypten verteilte. isis fand alle teile bis auf den phallus wieder, den ein fisch im nil gefressen hatte. die restliche teile wurden vom schakalköpfigen anubis mumifiziert, der seither als gott der mumifizierung gilt. den fehlenden phallus bildete isis aus lehm nach und zeugte mit dem so wieder vollständigen körper ihres bruders den gemeinsamen sohn horus der daraufhin rache für die ermordung seines vaters schwor. seth gilt seither als gott der wüste und des chaos, osiris als gott der fruchtbarkeit und des totenreiches.

am standort des tempels in edfu soll horus einen seiner grössten kämpfe gegen seth bestritten haben, so dass edfu zum hauptkultort dieses gottes wurde. er galt als der vater des jeweils regierenden pharaos und war damit das symbol des königshauses. er wurde von den ptolemäern herrschaft in ägypten mit alexander dem grossen 332 v.chr. begann) ließen die ägypter ihre alte religion und kultur weiterführen und förderten diese sogar um keinen aufruhr zu provozieren. von 237 bis 147 v.chr. erbaut. die griechisch-mazedonisch-stämmigen ptolemäer (derenlange zeit war der tempel mit sand und nilschlamm bedeckt, so dass nur in etwa der in zwei mauern geteilte abschnitt des grossen pylons herausragte. erst um 1860 ließ ihn ein französischer ägyptologe komplett freilegen.

hinter dem wirklich sehr eindrucksvollen 70 m breiten und 32 m hohen ersten pylon (bild 1), der von zwei horus-abbildern (bild 2, horus ist der in der mitte) bewacht wird, erstreckt sich ein riesiger kolonnadenhof und dahinter einige hallen und räume mit bis zur decke mit reliefs verzierten wänden (bild 3). hier liegt auch das allerheiligste des tempels wozu u.a. die prozessionsbarke des gottes (bild 4) gehört. eine andere interessante besonderheit im inneren des tempels ist ein wasserstandsanzeiger des nils, mit dem sich früher schon voraussagen ließ ob im jeweiligen jahr genug, zuviel oder zu wenig wasser die felder am nilufer überschwemmen wird und der bis heute den wasserspiegel des flusses korrekt anzeigt.

Mittwoch, 26. März 2008

tag 6 - hatshepsuts totentempel und die memnon kolosse

nach dem tal der könige ging es auf die andere seite des bergmassivs: zu dem in den fels gehauenen totentempel der pharaonin hatshepsut (bild 1, 2). sie regierte die zwei länder ägyptens von 1479 bis 1457 v.chr., in der 18ten dynastie, (zur zeitlichen orientierung: ca 100 jahre vor der regentschaft echnatons und 200 jahre vor der enthronisierung ramses des zweiten) und gilt als der erfolgreichste weibliche pharao. ihr totentempel, den sie zur ihrer und amuns verehrung bauen ließ, sticht durch seine in den fels gehauene, sich über drei terrassen erstreckende bauweise, architektonisch gegenüber anderen ägyptischen bauwerken hervor. die malereien und reliefs im inneren erzählen unter anderem von hatshepsuts göttlicher geburt und der von ihr in auftrag gegebenen expedition ins land punt (man ist sich heute noch nicht einig ob es sich dabei um einen teil von somalia, eritrea oder einem anderen land in dieser gegend handelt), um u.a. wertvolle weihrauchbäume und zedern zu beschaffen (bild 3).

in unmittelbarer nähe des tempels befindet sich das 1875 entdeckte grab DB320, in welchem 40 mumien, darunter die vieler könige der 17ten bis 20ten dynastie. das grab selber stammt zwar aus der 21ten dynastie, aber es wurden schon im neuen reich einige königsmumien aufgrund von grabräubern oder überschwemmungen umgebettet: so wurden in diesem grab letztendlich u.a. die mumien von ramses dem zweiten und thutmoses dem dritten gefunden.

am morgen des 17. novembers 1997 betrat eine gruppe als polizisten verkleideter islamisten die zweite terrasse des tempels und töteten 62 touristen und polizisten. seit diesem als "anschlag von luxor" bekannten vorfall haben sich die sicherheitsvorschriften an sämtlichen ägyptischen sehenswürdigkeiten streng verschärft.

auf der rückfahrt zum schiff machten wir noch einen kurzen halt an den ebenfalls am westufer liegenden memnonkolossen (bild 4). leider waren sie von baugerüsten umzäunt, sind aber dennoch sehr eindrucksvoll da sie nicht an einem tempel oder anderen bauwerk stehen und ihre grösse so viel deutlicher wird. sie bewachten einst den tempel amenophis des dritten, dem vater echnatons, der heute nicht mehr vorhanden ist.

Montag, 10. März 2008

tag 6 - das tal der könige

aufgrund des sonnen-laufs glaubten die alten ägypter, dass menschen nach ihrem tod "nach westen gehen", daher befinden sich alle grabstätten (dazu gehören natürlich auch die pyramiden) am westufer, die tempel und paläste befanden sich am ostufer. die tatsache, dass heute nur noch tempel und grabstätten, nicht jedoch wohnhäuser oder königspaläste aus dem alten ägypten vorhanden sind, liegt daran, dass letztere aus lehmziegeln anstatt aus stein gebaut wurden - das jenseitige leben war weitaus bedeutungsvoller, da es ewig dauern würde. pyramiden dienten im alten reich als grabstätten (die bekannten pyramiden in gizeh und sakkara stammen zB aus der 4ten dynastie).

die vielen grabraub-vorfälle waren jedoch einer der gründe, warum man in späteren dynastien an geheimeren orten sein jenseitiges leben verbringen wollte: die grösste dieser grabanlagen bildet das tal der könige am westufer des nils in luxor, welches unser ziel an diesem morgen war. seit den anschlägen von luxor im jahre 1997 gelten hier strenge sicherheitsmassnahmen: man wird erst durch ein touristenzentrum geleitet und dort wie am flughafen mit metalldetektoren abgetastet und die taschen werden gescannt. hier gibt es auch ein modell des tals mit der lage aller gräber zu sehen. von den 63 dort bisher gefundenen gräbern (bild 1) waren ca 10 geöffnet. die restlichen gräber werden zzt. restauriert oder sind noch nicht freigegeben worden - so zb das erst 2006 entdeckte kv63 (sämtliche gräber sind mit kvxx durchnummeriert, kv = "king's valley"), zu dem sogar die vermutung kursiert, es könne von echnaton sein.

von den geöffneten gräbern können 3 beliebige mit der eintrittskarte betreten werden - wir entschieden uns für ramses I (bild 3) , ramses III (bild 4) und thutmosis III (bild 5). nach einigen mehr oder weniger breiten vorkorridoren und vorräumen betritt man die eigentlichen grabkammern in denen bis auf den leeren sarkophag jedoch nichts mehr vorhanden ist, denn auch diese gräber wurden früher oder später von grabräubern entdeckt. das beeindruckende waren jedoch die mit zeichnungen und inschriften komplett bedeckten wände: szenen aus dem dies- und jensetigen leben der könige mit bis zu 3500 jahre alten, bis heute erhaltenen farben. das berühmte grab des tutanchamun (es hätte zusätzlichen eintritt gekostet) wurde 1922 von dem briten howard carter entdeckt und enthielt zu diesem zeitpunkt noch alle grabbeigaben, die sich heute (bis auf die mumie) alle im ägyptischen museum in kairo befinden, dazu aber später mehr.

Donnerstag, 6. März 2008

tag 4 - die tempel von karnak und luxor

direkt nach dem sehr guten und reichlichen mittagessen (es gab dreimal am tag ein buffet auf dem schiff) ging es zum tempel von karnak, der größten ägyptischen tempelanlage. die ältesten noch sichtbaren teile des tempels stammen von ca. 1950 v.chr. (12te dynastie, mittleres reich). der grösste bereich der anlage ist der amun-tempel, der maßgeblich durch sethos I. und seinen sohn und nachfolger ramses II. (bild 1) erweitert wurde. besonders beeindruckend war hier der 30 meter hohe und 320 tonnen schwere obelisk der pharaonin hatshepsut (bild 2 - beeindruckend war übrigens auch die ältere dame die beim versuch diesen komplett auf ein photo zu bannen letztendlich mit meiner achselhöhle bekanntschaft machte). der tempel ist früher mit dem südlicher liegenden luxor-tempel über eine 2,5 kilometer lange sphingen-allee (bild 3 - der gott amun in der gestalt eines widders) verbunden gewesen von der heute nur noch teilbereiche existieren, es ist aber geplant einige dort liegende wohnhausviertel abzureissen um weitere bereiche freizulegen. die sphingenalle war ein teil des prozessionsweges während des opet-festes, über den die statuen des hauptgottes amun, dessen frau mut und ihres sohnes chons in tragbaren barken transportiert wurden.

zum einbruch der dunkelheit (die leichte bekleidung auf den bildern täuscht, es war wirklich kalt and diesem nachmittag) ging es dann zum schon erwähnten luxor-tempel (die dämmerung in kombination mit der beleuchtung sorgte für eine ganz besondere stimmung aber leider auch für unscharfe fotos). vor dem großen eingangspylon stehen heute noch ein obelisk sowie zwei statuen von ramses II (bild 5). der fehlende zweite obelisk steht heute auf dem place de la concorde in paris. da wir uns im voraus mit der ägyptischen geschichte beschäftigt hatten, interessierte uns besonders der säulenhof von amenophis III, dem vater echnatons. hier zeugen ausgemeisselte reliefs für die durch seinen sohn herbeigeführte "glaubens-reform". er liess den namen des damaligen hauptgottes amun entfernen und ordnete an, das nur noch einem gott gehuldigt wird: aton, der sonnenscheibe. damit begründete er den ersten monotheismus der weltgeschichte.